Nun sind es schon bereits 5 Jahre her, seit dem wir im April 2004 die
Pädagogische und Psychotherapeutische Beratungsstelle hier in Königsbach-Stein
eröffnet haben.
Der gesamte Aufbau und die Einrichtung der Fachstelle wurden damals in
Eigenleistung erbracht. Seitdem hat sich viel getan. Die Arbeit läuft sehr
erfolgreich, viele Menschen haben seither Hilfe und Unterstützung in
Konfliktsituationen erhalten. Der Bedarf ist groß und die Problemlagen sind so
unterschiedlich und individuell, wie jeder einzelne Mensch selbst.
In der psychosozialen Beratung und der Psychotherapie bei Erwachsenen stehen
häufig Sucht-problematiken, psychische Störungen, Familien- und
Partnerschaftskonflikte, die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen, sowie
die unterschiedlichsten Konfliktbewältigungen im Vordergrund.
Die zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen spiegeln
sich auch in unserer täglichen Arbeit wider. Ausgesprochen viele Kinder und
Jugendliche - und zunehmend auch deren Eltern - leiden heute extrem unter dem
ständig wachsenden Leistungs- und Lerndruck, der in den Schulen vorherrscht.
Dies verstärkt häufig schon vorhandene Verhaltensauffälligkeiten und begünstigt
das vermehrte Auftreten von psychischen Störungen und zeigt sich beispielsweise
in depressivem oder aggressivem Verhalten.
Gerade Familien mit Kindern haben es unter den heutigen Rahmenbedingungen
besonders schwer. Die neuen Medien und die zunehmende Technisierung sind
beispielsweise eine große Herausforderung, über deren Schattenseiten leider nur
wenig gesprochen wird.
Durch das Internet ist z.B. den Kindern und Jugendlichen heute fast alles
zugänglich, und sie sind dadurch schon mit Dingen und Bildern in Berührung
gekommen, die sie absolut nicht verarbeiten können. Die Mehrzahl von ihnen
spricht erst in der Therapie darüber.
Wir leisten daher Aufklärungsarbeit bei den Kindern und Jugendlichen und ihren
Eltern - und setzen den Schwerpunkt auf das Erlernen eines angemessenen Umgangs
mit diesen neuen Medien. Gesellschaftlich - und auch in unserer täglichen Arbeit
- ist eine Zunahme des Suchtpotentials deutlich erkennbar.
Häufige Anfragen erhalten wir auch von Eltern, die mit einer ADHS-Diagnose ihrer
Kinder konfrontiert sind. Hier ist in den meisten Fällen auch eine Aufklärung über die gesellschaftlichen Veränderungen - und damit auch die Schaffung eines
Bewußtseins für das veränderte Alltags-leben der Kinder heute - erforderlich.
Grundlage zur Therapie bei den Kindern ist die Bereitschaft der Eltern zur
Mitarbeit und auch zur Veränderung. Ist diese Grundlage gegeben, so erzielen wir
sehr gute Erfolge.
Bei einzelnen Kindern und Jugendlichen konnten wir eine ärztliche Einweisung in
die Kinder- und Jugendpsychiatrie durch die gezielte therapeutische Arbeit
verhindern. Sie haben sich auf der psychischen Ebene stabilisieren und ihr
eigenes Potential entwickeln können.
Bei Bedarf bieten wir zusätzlich auch gezielte individuelle Nachhilfe an. In der
Lernforschung ist schon lange bekannt, dass Informationen, die in einem emotional
positiven Umfeld gelernt werden, wesentlich nachhaltiger aufgenommen werden.
Dadurch, dass bereits in der Therapie eine emotionale Beziehung entstanden ist,
ist eine besonders positive Lernatmosphähre spürbar.
Häufig motivieren und stärken wir die Kinder auch zusätzlich in ihrem
Lernverhalten, da sie entweder in manchen Schulfächern äußerst negative
Erlebnisse zu verarbeiten haben, oder weil die Erkenntnis "selbst lernen zu
wollen" noch entwickelt werden muss.
Ferienaktivitäten wie Naturgolfspielen, Kartfahren, Schachturnier,
Fußballspielen etc. bieten wir nach Möglichkeit und Bedarf ebenfalls an.
Verhaltensauffälligkeiten sind Anzeichen, die immer ernst genommen werden
sollten. Gerade auch im Hinblick auf den kürzlichen Amoklauf in Winnenden,
sollten wir sensibel sein für Kinder und Jugendliche, die eindeutig Hilfe
brauchen - und zwar frühzeitig! Unser speziell konzipiertes Projekt "Pyramide"
setzt genau hier an.
Leider fühlen sich viele Menschen in ihren Konfliktsituationen allein gelassen
und haben oftmals schon eine Odyssee auf ihrer Suche nach Hilfe hinter sich. Der
Mensch mit seiner eigenen individuellen Geschichte steht heute meistens leider
nicht mehr im Mittelpunkt. Wirtschaftliche Interessen und ein fragwürdiger
"scheinbar schneller" Weg zur Veränderung wird angestrebt.
Langfristige Erfolge stellen sich jedoch nur dann ein, wenn eine echte
Bereitschaft zur Mitarbeit und Verhaltensänderung vorhanden ist, eine gezielte
Suche nach den Ursachen erfolgt und ausreichend Zeit vorhanden ist.
An dringend notwendiger Präventionsarbeit wird heute leider vielfach auf Kosten
der Kinder und Jugendlichen gespart.
Unsere Erfahrung in den letzten fünf Jahren ist die, dass auch die allgemeine Öffentlichkeit mit "diesen Problemen" nicht gerne konfrontiert werden möchte,
obwohl es längst an der Zeit wäre über gesellschaftliche Veränderungen
nachzudenken, die bei uns selbst anfangen!
So ist es aus unserer Sicht unverständlich und auch ein wenig enttäuschend, dass
wir bei dieser immer notwendiger werdenden Arbeit von der Politik, den Kirchen
und der breiten Gesellschaft doch leider wenig bis gar keine Unterstützung
erfahren.
Wünschenswert wäre auch ein kritischer Umgang mit diesen Themen gerade in den
Kirchen und christlichen Gemeinden.
Wir freuen uns daher über jede moralische und praktische Unterstützung, die
Zuwendungen einiger Stiftungen, sowie über jede einzelne Spende.
Einen großen Teil der Arbeit leisten wir noch immer auf ehrenamtlicher Basis, um
sozialverträgliche Therapiekosten - besonders für einkommensschwache Familien -
anbieten zu können. Dafür setzen wir uns persönlich ein.
Mit jeder Form der Hilfe - oder auch einer Fördermitgliedschaft für 9,- EUR im
Monat - helfen Sie uns ganz konkret, diese Arbeit fortsetzen zu können.